Offener Brief: Keine Räumlichkeiten für homophobe und frauenfeindliche Ahmadiyya Jamaat im Göttinger Hotel zum Stresemann

Am 7.11. lädt die Ahmadiyya Muslim Jamaat im Göttinger “Hotel zum Stresemann” zu einem Vortrag über das Verhältnis zwischen dem Islam und Deutschland. Die religiöse Gemeinschaft begreift sich als staatstreue Ausrichtung des Islam, was allerdings innerislamisch stark umstritten ist. Durch ihr Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland wird sie oft als “liberal” begriffen, obwohl die Ahmadiyya bereits häufiger mit homophoben und frauenfeindlichen Inhalten auf sich aufmerksam machte. Vor einem Jahr forderte ein Imam der Ahmadiyya im bayerischen Neufahrn etwa, Homosexuelle “zu einem Experten zur Heilung [zu] schicken”, denn Homosexualität sei eine Krankheit.1 Auch ein Berliner Imam bekräftigt, ein homosexueller Mensch sei ein Sünder und könne deshalb grundsätzlich kein Gemeindemitglied werden.2 Vor elf Jahren behauptete das Gemeindeblatt der Ahmadiyya Pankow sogar, der Konsum von Schweinefleisch verursache Homosexualität. Dies geht auf das 2003 verstorbene vierte Oberhaupt der Ahmadiyya, Mirza Tahir Ahmad, zurück.3

Die Homepage der Vereinigung gibt Aufschluss, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, sondern um in der Ahmadiyya weit verbreitete Überzeugungen. So findet sich dort zahlreiches Lehrmaterial, das den erzkonservativen Geist der Ahmadiyya zur Schau stellt, wie dieser folgende Auszug aus der Schrift “Die Frau im Islam” bezeugt, verfasst vom bereits erwähnten geistigen Führer Mirza Tahir Ahmad:

“Es muss klargestellt werden, dass die Bewegungen der Frauenrechtlerinnen nicht von Gott gesegnet und nicht unter der Leitung eines Propheten waren, darum fehlte ihnen auch das Licht der göttlichen Führung, und sie sind allesamt auf Irrwege abgerutscht. Einige schlimme Folgen machen sich schon jetzt bemerkbar, und weitere werden folgen. Eine dieser Folgen erscheint in Form von Krankheiten.”4

Der Kampf von Frauen nach Gleichberechtigung wird eindeutig zurückgewiesen, Frauen bedürfen nach Ansicht der Ahmadiyya der geistigen Führung eines Mannes. Feministinnen hingegen seien auf einem Irrweg und würden deswegen unter anderem mit Krankheiten bestraft. Die Frauen der Gemeinschaft dürfen keine Nicht-Muslime heiraten, eigentlich sogar keine Nicht-Ahmadiyya. Männer dürfen hingegen vier Ehefrauen besitzen und auch Jüdinnen und Christinnen heiraten.5 Die Soziologin Necla Kelek bezeichnete die Ahmadiyya als fundamentalistisch und warnte vor ihr in einem Interview, es „gebe eine starke soziale Kontrolle und die Mitglieder hätten kaum eine Möglichkeit, sich außerhalb der Gemeinschaft ein Leben aufzubauen“.6

Welches Verhältnis die Ahmadiyya Muslim Jamaat zu basalen Menschenrechten hat, wird schon aus diesen wenigen vorgelegten Quellen klar. An dieser Stelle erübrigen sich deshalb weitere Ausführungen, wieso es falsch ist, sich der Ahmadiyya Muslim Jamaat gegenüber unkritisch zu verhalten.

Der Organisation sollten keine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Bündnis Jachad

Fußnoten:

  1. https://www.queer.de/detail.php?article_id=28035
  2. https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/islam-und-homosexualitaet-homosexuelle-zu-gast-in-der-khadija-moschee-in-heinersdorf/19600294.html
  3. https://web.archive.org/web/20080617045851/http://jove.prohosting.com/bonnmm/div/ahmadiyya-ahmadiyyat-schweinefleischverzicht
  4. https://ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/hadhrat_mirza_tahir_ahmad-die_frau_im_islam.pdf
  5. https://ahmadiyya.de/islam/die-frau-im-islam/die-stellung-der-frau/?fbclid=IwAR0D4w8FYFyM4ArQ9u-pc_s72r-L0IhSlpiwoH003pdcYV8V0TwsLpbSUdE
  6. https://www.deutschlandfunk.de/necla-kelek-ueber-die-ahmadiyya-alles-andere-als-weltoffen.886.de.html?dram:article_id=394068