Sexismus an der Hochschule – Was tun?

Pfiffe, frivole Kommentare, ein vermeintlich unabsichtlicher Klaps auf den Po – Alltag an deutschen Hochschulen.

Nach eigener Aussage sind 81 Prozent der Studentinnen in Deutschland schon einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die knapp 13.000 Studentinnen aus ganz Deutschland zu sexuellen Übergriffen befragt wurden.1 Die Zahlen sind schockierend und müssen uns zu denken geben.

Mit der Forderung, Sexismus an Hochschulen offen anzusprechen, muss auch präventiv gegen alle Formen von Belästigung vorgegangen werden!

Sexuelle Belästigung geht in den meiste Fällen von Männern aus dem eigenen Umfeld aus. Übergriffiges Verhalten findet in Freundeskreisen, in Beziehungen, durch Ex-Partner und Kommilitonen statt. Dass besonders Vertrauensverhältnisse missbraucht werden, legt auch die bereits erwähnte Studie dar.2 Es kommt aber auch vor, dass Dozenten und Professoren Übergriffe begehen. Dies geschieht vor allem in Seminarräumen und Büros. Die Dunkelziffer liegt hier wahrscheinlich noch höher. Oft befürchten Betroffene, dass die Hochschule ihre Mitarbeiter schützt und eine Beschwerde deshalb keine Konsequenzen hat. Dieser Angst wollen wir entgegentreten!

Zu Übergriffen und sexueller Belästigung kommt es aber vor allem an Orten, an denen niemand damit rechnet: in der eigenen Wohnung oder der WG von Freund_innen und Bekannten. Das zeigt, dass die Gefahr besonders im sozialen Nahbereich besteht. Während des Studium kommt es häufiger zu Übergriffen als in jeder anderen Phase des Lebens. Ein Grund ist, dass sich junge Menschen am Anfang des Studiums neu orientieren. Man zieht in eine fremde Stadt, sucht neue Freund_innen und Partner_innen und geht viel Feiern. Dort, wo sich junge Menschen ausprobieren, besteht immer die Gefahr, in unangenehme Situationen zu geraten – das Risiko sexueller Übergriffe steigt rasant, sobald Alkohol im Spiel ist. (Sexuelle) Belästigung fängt da an, wo etwas gegen den Willen einer Person geschieht.

Auch das Frauenbild, das gesellschaftlich und medial propagiert wird, trägt seinen Teil dazu bei. Nach Übergriffen und sexueller Belästigung werden häufig die Betroffenen nach ihrem Verhalten in der Situation und ihrem Outfit gefragt und eine Fehlinterpretation eines vermeintlichen Kompliments zur Debatte gestellt. Das führt in vielen Fällen dazu, dass sich Frauen nach ihrer eigenen (Mit-)Schuld fragen, wenn ihnen sexuelle Gewalt widerfährt. Aufklärungsarbeit ist daher unerlässlich!

Sexismus ist in unserer Gesellschaft kein abstraktes Phänomen, sondern Teil des Alltags und wird durch starre, geschlechtliche Denkmuster und Rollenklischees reproduziert. Da antisexistische Praktiken und Gleichstellung in unserer Gesellschaft offensichtlich noch keinen endgültigen Einzug erhalten haben, müssen wir gemeinsam für mehr Toleranz kämpfen und Sensibilität für diese Themen schaffen!

Wenn du von sexueller Gewalt, Übergriffen oder Belästigung betroffen bist, kannst du dich jeder Zeit an die Gleichstellungsbeauftragte der Sozialwissenschaftlichen Fakultät (gleichstellung@sowi.uni-goettingen.de) oder an die PSB – Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks (psb@studentenwerk-goettingen.de).

Fußnoten:

  1. http://www.gendercrime.eu/pdf/gendercrime_country_report_germany_german.pdf
  2. Ebd.