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“Lebenslang Feedback” (Magnus Klaue)

25. September 2014, 19:00 - 21:00

Mit Magnus Klaue

Die Freiheit des Studentenlebens, von der ästhetische Hervorbringungen seit der Romantik zehren, war immer schon ideologischer Schein, der Schein aber knüpfte an reale Erfahrungen an, die Teil von individuellen Lebenserinnerungen geworden sind: an die Erfahrung des Studiums als einer dem eigenem Takt folgenden Zeit, die denjenigen – stets Privilegierten -, die sie erfahren durften, zumindest eine Ahnung von der Möglichkeit einer Aufhebung des Unterschieds zwischen Arbeit und Freizeit in freier, weder im ökonomischen Nutzen noch in sogenannter Selbstverwirklichung aufgehender Tätigkeit gewährt hat. Das gegenwärtige Studium – drastischer als in den immer schon auf berufliche Ausbuildung bezogenen Natur- und Sozialwissenschaften läßt sich das an den Geisteswisasenschaften beobachten – ist dagegen geprägt von der negativen Aufhebung des Unterschieds von Freizeit und Arbeit in einer einzigen, in unverbundene Fragmente zerfallenden und zugleich ununterbrochen ablaufenden toten Lebenszeit. Hierarchie und undurchdrungene Autorität, die die Universität stets bestimmten, werden dabei einerseits total, andererseits in der individuellen Erfahrung immer weniger konkretisierbar: Je mehr das Ideal der Universität als Gemeinschaft der Lehrernden und Lernenden zur Lachnummer wird, desto mehr verwirklicht es sich als Parodie seiner selbst: Die Universität wird zur Schicksalsgemeinschaft ihrer Inskribenten, ob diese nun als Juniorprofessoren, Lehrbeauftragte und Drittmittel-Assistenten oder als Studenten von den Pfründen zehren. Alle sind aufeinander angewiesen, jeder Widerspruch, wie er sich einst in den inzwischen kaum noch existierenden antagonistischen akademischen ‘Schulen’ institutionalsierte, muss im Namen des Teams, das alle sind, zum Schweigen gebracht, das heißt: zum ‘Diskurs’ neutralisiert werden. An die Stelle des Urteils und des Streits tritt als alles verbindendes Prinzip das ‘Feedback’, dessen einiziger Zweck die permanente Aufrechterhaltung seiner selbst als blindem Prozess ist und das jedes Urteil und jede Verbindlichkeit suspendiert.

Magnus Klaue schreibt unter anderem für die Zeitschrift Bahamas, die konkret, die jungle world und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Vortrag schließt die Reihe “Widerständige Sozialwissenschaften? Zum Verhältnis von Universität und kritischer Theorie” ab.

 

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe Widerständige Sozialwissenschaften? Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Universität.

Details

Datum:
25. September 2014
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

FSR SoWi

Veranstaltungsort

KWZ 0.609
Heinrich-Düker-Weg 14
Göttingen, 37073 Deutschland
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Webseite:
http://www.geodata.uni-goettingen.de/lageplan/?ident=5312_6_EG_0.609