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Matthias Küntzel: Islamischer Antisemitismus: Kennzeichen, Ursprünge und Folgen

24. Januar, 19:00 - 21:00

Der Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust sind in den islamischen Gesellschaften des Mittleren und Nahen Ostens erheblich weiter verbreitet, als in anderen Teilen der Welt. Warum ist das so? Oft wird diese Frage mit einem Hinweis auf Israel, dessen Politik diesen Judenhass angeblich schüre, beantwortet. Doch diese Antwort greift zu kurz.

Sie ignoriert, dass Nazi-Deutschland seit 1937 all seine Möglichkeiten nutzte, um den Antisemitismus in diesem Teil der Welt zu schüren. So wurden die judenfeindlichen Kampagnen der ägyptischen Moslembruderschaft bereits zehn Jahre vor der Gründung Israels von Berlin aus angestachelt und finanziert.

Das wichtigste Instrument der Nazis war Radio Zeesen, ein südlich von Berlin stationierter Kurzwellensender. Von hier aus wurde die antisemitische Propaganda der Nazis unter Muslimen verbreitet: Man sendete in zwei arabischen Dialekten, aber auch auf Persisch, Türkisch und Hindi. Die Propaganda wandte sich an die nicht-alphabetisierten und religiös orientierten Menschen und wurde mehrmals täglich zwischen April 1939 bis April 1945 ausgestrahlt. Ebenso, wie die Nazis in Europa den christlichen Antijudaismus radikalisierte, so spitzte sie im Nahen Osten den muslimischen Antijudaismus aus dem Koran und anderen islamischen Frühtexten zu und verknüpfte ihn mit europäischen antisemitischen Verschwörungstheorien.

Über diese Radiopropaganda und deren Folgen erschienen kürzlich umfangreiche Studien in den USA und in Großbritannien. Hierzulande aber ist über dieses Kapitel unserer Geschichte wenig bekannt.

Dabei stehen auch die gezielten islamistischen Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Juden in Toulouse, Paris, Brüssel oder Kopenhagen in der Tradition dieses alt-neuen antisemitischen Programms.

Dr. Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler und Historiker aus Hamburg, hat die historische Verbindung von Islamismus und Antisemitismus in seinem Buch „Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg” thematisiert. Sein Buch erschien auf Englisch, Französische, Hebräisch und Griechisch und löste eine internationale Debatte über die Ursprünge des Antisemitismus im Nahen Osten aus. Von 2004 bis 2015 war Küntzel externer associate researcher beim Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) an der Hebrew University in Jerusalem.

2011 wurde er von der Anti-Defamation League (ADL) mit dem Ehrlich-Schwerin-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Weitere Informationen unter www.matthiaskuentzel.de .

Details

Datum:
24. Januar
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:

Veranstalter

FSR SoWi

Veranstaltungsort

ZHG 003
Platz der Göttinger Sieben 5
Göttingen, 37073 Deutschland
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Website:
http://www.geodata.uni-goettingen.de/lageplan/?ident=5257_1_EG_0.157