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Subjekt, Geschlecht, Herrschaft. Einführendes zur kritischen Theorie von Subjektkonstitution und Geschlechterverhältnis (Mario Wolf)

2. November 2016, 19:00

Mit Mario Wolf

Um zu begreifen, wie es mit dem Geschlechterverhältnis in der Kritischen Theorie aussieht, sollte man sich zunächst mit der Subjektkonstitution bei Horkheimer und Adorno auseinandersetzen. Das Subjekt konstituiert sich im Anschluss an diese Beiden im Verhältnis von Naturbeherrschung und Naturverfallenheit. Seit dem Beginn der Subjektkonstitution versucht das Individuum die äußere wie die eigene, innere Natur zu kontrollieren und bleibt doch als lebendiger Mensch auf sein Natursubstrat bezogen, dem es sich auch nicht durch ein vergeistigtes Verhältnis zur Natur entziehen kann. Dieses Verhältnis muss aus Sicht der Kritischen Theorie auch für das Geschlecht angenommen werden. In der “Dialektik der Aufklärung” heißt es:

“Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt.”

Das bedeutet, dass die Subjekte nicht nur zweckrational handelnde und potentiell austauschbare Exemplare ihrer Gruppe sind, sie besitzen auch männliche Züge. Somit ist die Dialektik der Subjektkonstitution nicht ohne Geschlecht zu denken. Diese Dialektik bewegt sich zwischen der Kontrolle der eigenen Triebe und dem Wunsch seine Gelüste auszuleben.

Die poststrukturalistischen bzw. postmodernen Positionen innerhalb der Geschlechterforschung leugnen diese Dialektik, bzw. da wo sie nicht direkt geleugnet wird, lösen die Vertreterinnen und Vertreter dieser Richtung diese einseitig auf. Nicht erst seit Judith Butler wird zwischen sex (biologisches Geschlecht) und gender (sozial hervorgebrachtes Geschlecht) unterschieden. Wo noch in der analytischen Aufteilung potenziell ein Wechselspiel zwischen biologischen und zivilisatorischen Momenten möglich ist, wird Geschlecht bei Butler zu einer rein sozialen Größe.
“Ja, möglicherweise ist das Geschlecht (sex) immer schon Geschlechtsidentität (gender) gewesen, so daß sich herausstellt, daß die Unterscheidung zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität letztlich gar keine Unterscheidung ist.”

Wegen der Leugnung des „Täters hinter der Tat“. und der Entleiblichung des Geschlechtskörpers wurde Butler schon früh vorgeworfen, dass sie idealistisch sei. Auch ihre Erwiderungen darauf konnten nicht aus dem Dilemma führen, dass bei ihr das Subjekt sekundär gedacht wird; es wird, genau wie das Geschlecht, erst durch Machtverhältnisse bzw. dem Diskurs hervor gebracht. Damit bringen die Verhältnisse das Subjekt erst hervor und nicht, wie es Marx und Engels betonen, andersherum:

“D.h., es wird nicht ausgegangen von dem, was die Menschen sagen, sich einbilden, sich vorstellen, auch nicht von den gesagten, gedachten, eingebildeten, vorgestellten Menschen, um davon aus bei den leibhaftigen Menschen anzukommen; es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt.”

Wie sich nun das Subjekt in der Kritischen Theorie konstituiert und wie dies mit dem männlichen Geschlechtscharakter zusammenhängt, ist ein weites Thema. In diesem Vortrag soll ein Einstieg in dieses Denken ermöglicht werden und dabei die Vorteile benannt werden, die eine theoretisch-kritisch ausgerichtete Geschlechterforschung davon tragen kann. Dazu werden Bereiche der psychoanalytischen Theorie Freuds gestreift und sich näher mit dem Odysseus-Kapitel der “Dialektik der Aufklärung” auseinandergesetzt. Denn zum einen sind einige Theoreme Freuds unverzichtbar für das Verständnis der Kritischen Theorie des Subjekts und zum anderen liefert die Odyssee ein Modell anhand dessen die Subjektkonstitution aus Sicht von Horkheimer und Adorno verständlich gemacht werden kann.

Mario Wolf hat in Göttingen studiert und sich in seiner Abschlussarbeit mit dem Verhältnis von Kritischer Theorie und Feminismus auseinandergesetzt.

Details

Datum:
2. November 2016
Zeit:
19:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

FSR SoWi

Veranstaltungsort

ZHG 104
Platz der Göttinger Sieben 5
Göttingen, 37073 Deutschland
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Webseite:
http://www.geodata.uni-goettingen.de/lageplan/?ident=5257_1_1.OG_1.131