Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft (2018)

Dieses Jahr organisiert der FSR SoWi als Ergänzung zu den bestehenden Programmen der Orientierungsphase erneut ein eigenes Veranstaltungsangebot. Unter dem Titel „Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ wird der FSR SoWi mehrere Refernt_innen zu verschiedenen Vorträgen einladen. In der geplanten Veranstaltungsreihe soll es auf einer möglichst einführenden Ebene eine Einladung in diejenigen gesellschaftskritischen Themen und Theoretiker geben, die der akademische Betrieb bloß noch randständig akzeptiert oder in selbstsicherer Manier ausgeschieden hat. 

So soll es bspw. Vorträge zu den Autonomen Nationalisten, eine rechtsextreme Gruppierung, und zu den Kritischen Theoretikern um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno geben. Ebenso ist es Ziel, aktuelle universitäre Entwicklungen aus einer kritischen Perspektive zu beleuchten, hier zur Göttinger O-Phase und den damit verbundenen Partyexzessen und der Frage, warum es sich lohnt, ein sozialwissenschaftliches Fach zu studieren. Weitere Schwerpunkte bilden die Auseinandersetzung mit der Entstehung und die sozialpsychologische Analyse von Burschenschaften. Zudem wollen wir uns aus einer kritischen Perspektive mit dem christlichen Fundamentalismus und den Strategien von Abtreibungsgegner_innen beschäftigen.

Wir betrachten die „kritische Orientierungsphase“ als Versuch, den nach Göttingen kommenden Erstsemestern – und gerne auch darüber hinaus – schon zu Beginn ihres Studiums einige kritische Impulse mit auf den Weg zu geben, bevor sie sich auf die Jagd nach Credit-Points und selbstveredelnden Schlüsselkompetenzen im spätkapitalistisch durchrationalisierten Universitätsalltag machen. Auch wenn die Studierenden immer jünger werden, denken wir doch, dass der_die ein oder andere Neugöttinger_in ein diffuses Nichteinverstandensein mit an die Uni bringt. Ihnen wollen wir die Möglichkeit geben, sich in den ersten Wochen in der neuen, spannenden Umgebung ein Bild davon zu machen, was Gesellschaftskritik heißen kann.

Folgende Veranstaltungen finden im Rahmen der Reihe statt:

  • Warum ein sozialwissenschaftliches Fach studieren? (Prof. Dr. Sascha Münnich)

    9. Oktober, 18:00 at ZHG 101

    Welche Ansprüche und Selbstansprüche verbinden sich mit der Entscheidung, ein sozialwissenschaftliches Fach zu studieren? Worin unterscheidet sich ein Studium der Sozialwissenschaften von anderen Studiengängen und was bedeutet das für Studierende? Prof. Dr. Sascha Münnich lehrt Politische Soziologie an der Uni Göttingen.

  • ‘Mach jeden Scheiß mit, das ist das Beste der ganzen Studienzeit.’ Empirische Reflexionen zu Exzess, Geschlecht und Hochschuleinführung der Göttinger Orientierungsphase (Folke Brodersen und Simon Volpers)

    17. Oktober, 18:00 at ZHG 005

    Die Göttinger Orientierungsphase ist so bekannt wie umstritten. Nicht nur die universitäre Diskussion, sondern auch das Stadtgeschehen ist davon geprägt: Stadtrallyes ziehen durch die Straßen, Supermärkte schreiben Sonderangebote aus, Infomappen werden verteilt und laute  Gruppengesänge einstudiert. Zugleich steht die Problematisierung als ‘Delirium’ vor dem ‘Studium’ und Ort sexualisierter Gewalt dem Argument der Notwendigkeit einer Hinführung...

  • Die Burschenschaft: Sexualisierter Antisemitismus und deutsche Männlichkeit (Veronika Kracher)

    23. Oktober, 19:00 at VG 1.103

    Dienstag, 23. Oktober, 19 Uhr, VG 1.103 Nach wie vor ist der Männerbund (vor allem der schlagenden) Burschenschaft durch Elitedenken, Korpsgeist, die Abwertung des Weiblichen, Rassismus, Autoritätsgläubigkeit und Antisemitismus geprägt. Historisch gesehen spielen in der Ideologie der Studentenverbindung, die ihre einst demokratischen und freiheitlichen Wurzeln bereits zum Wartburgfest 1817 den gleichen Flammen übergaben, denen man...

  • Was ist Kritische Theorie? (Hannes Keune)

    26. Oktober, 17:00 at ZHG 002

    Hatte Marx noch darauf hoffen können, dass die der bürgerlichen Gesellschaft immanenten Widersprüche „Umwälzungsfermente“ erzeugten, in denen das Proletariat zur revolutionären Tat schritte, war an solchen revolutionstheoretischen Vorstellungen nicht mehr festzuhalten, in der Welt, die die Gruppe junger linker Wissenschaftler um Max Horkheimer auf den Begriff zu bringen versuchte. Der nationale Freudentaumel von 1914, das...

  • Beyond AN. Die neonazistischen Autonomen Nationalisten zwischen Pop und Antimoderne – und was von ihnen übrig bleibt (Dr. Christoph Schulze)

    29. Oktober, 18:00 at ZHG 004

    Der große Klau als großer Hype. Vor mehr als zehn Jahren traten die Autonomen Nationalisten“ auf die Bühne des deutschen Neonazismus.  Scheinbar alles, was den Charme linker Rebellion versprühte, wurde plötzlich von militanten Rechten nachgeäfft: Parolen, Klamotten, schwarzer Block, harte Rockmusik und Hiphop-Beats. Was sollte das alles?  Was ist daraus geworden? „Autonom“ nennen sich inzwischen...

  • Einstiegsabend

    6. November, 18:15 at FSR SoWi (Oec 0.137)

    Du hast Lust dich an deiner Fakultät aktiv einzubringen? Du möchtest dich für andere Studierende aktiv einsetzen? Du hast Lust, Vorträge, Workshops oder Filmvorführungen zu planen? Du hast Lust, Texte für unsere Zeitung, die Stellar, die du gerade in den Händen hältst, zu verfassen? Oder du möchtest einfach mal wissen, wie Hochschulpolitik eigentlich funktioniert und...

  • Film: Triumph des guten Willens

    6. November, 20:00 at ZHG 002

    Dokumentarfilm von Mikko Linnemann, 2016, 95 Minuten, mit engl. Untertitel Der vorerst letzte Teil der Reihe „Wie erinnern?“ setzt sich filmisch mit den Texten des Publizisten Eike Geisel (1945-1997) auseinander. Im Zentrum stehen Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungspolitik und seine These über die “Wiedergutwerdung der Deutschen”. Texte Geisels aus den 1990er Jahren, u. a....